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Archive für 4.8.2008
„Operation Gomorrha“ - ein Sommer vor 65 Jahren in Hamburg
4.8.2008 von Brigitte Rondholz.
Oder:
Vom Irrsinn menschlichen Handelns
Heute, am 4. August, ist mein kleiner, aber wunderschöner Urlaub zu Ende. Etwas mehr als zehn sonnenheiße Tage im Jahre 2008.
Es hat Tradition bei mir, dass ich mich im Urlaub mit Dingen beschäftige, für die im Alltag keine Zeit da ist.
Als ich vor einiger Zeit durch Hamburg radelte, wurden mir die merkwürdigen architektonischen Stilbrüche mal wieder bewusst, auch die großen, immer noch klaffenden Lücken im Stadtbild fielen mir auf. Und ich erinnerte mich an die Erzählungen meiner Mutter, die als junges Mädchen gerade zu der Zeit in Hamburg zu Besuch war.
Zehn Schreckenstage im Sommer 1943.
Heute vor genau 65 Jahren, am 4. August 1943, stoppte der Bombenterror auf Hamburg für eine Weile. Vom 24. Juli bis 3. August 1943 warfen 2592 britische und 146 amerikanische Bomber 8650 Tonnen Spreng- und Brandbomben auf Hamburg. 47 854 Menschen, darunter rund 22 500 Frauen und 7000 Kinder, kommen in der Flammenhölle um.
Josef Nyary schreibt:
„Zahlreiche Veranstaltungen erinnern diese Woche an den Hamburger Jahrestag des Todes, der Vernichtung. „Leichen hockten auf Resten von Treppenstufen, saßen an verkohlte Bäume gelehnt, lagen mit hilfeheischend ausgestreckten Armen auf dem Pflaster. Viele hatte die Glut in irrsinnige Stellungen gezwungen. Aufgerissene Münder, hervorgequollene Augen… Dort eine Mutter, an jeder Hand ein Kind. Dort der Soldat mit den verkohlten Stümpfen der Beine, die Frau mit dem zerrissenen Leib, auf dem in blauen Trauben die Fliegen saßen …“ Entsetzlichen Szenen, die so im damaligen Lagebericht der Polizei beschrieben sind.
Über zwanzig Quadratkilometer dichtbesiedeltes Stadtgebiet brennen lichterloh. Im Zentrum wüten Heißluftwirbel von 800 Grad. Hunderttausende rennen um ihr Leben. Faustgroße Funken treiben Verzweifelten in die Fleete. Feuerwehren aus Lübeck, Kiel, Bremen und Berlin eilen der todwunden Stadt zu Hilfe.
Der Feuerorkan wirft Löschfahrzeuge um, reißt Kinder von der Hand der Eltern, schleudert meterdicke Baumstämme als glühende Geschosse durch das Chaos. Die meisten Leichen, die später geborgen werden, sind geschwärzt und auf die Hälfte ihrer Größe geschrumpft.
Aus eingestürzten Kirchtürmen fließt das Metall der Glocken in den siedenden Asphalt. Durch das Tosen klingt das Gebrüll der Raubtiere bei „Hagenbeck“. Sie verbrennen, lange bevor die Eisenstäbe ihrer Käfige schmelzen. Schutzräume werden zu Todesfallen: „Es wird keiner Phantasie jemals gelingen, die Szenen des Grauens zu ermessen, die sich in verschütteten LS-Räumen abgespielt haben.“
Soldaten erschießen sich. Auf den Trümmern singt ein irrsinnig gewordenes Mädchen tanzend „Heimat deine Sterne“, bis es als Feuersäule verglüht.
In Hammerbrook lebten 27 440 Menschen, nach den Angriffen sind es noch 66.“
Fotos der Hölle
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