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Archive für 15.4.2010
Siegfried W.F. Pagel Umweltbilanz durch Fleischessen ist niederschmetternd
15.4.2010 von Brigitte Rondholz.
Dass Fleischessen für ein gesundes und langes Leben (als Inuit-Frau wäre ich jetzt schon tot, denn sie haben bekanntlich durch ihre exzessive Fleischesserei eine geringe Lebenserwartung)
unzuträglich ist, wissen aufgeklärte Menschen schon lange, aber wie sieht es mit unserer Erde insgesamt aus?
”
Neben dieser beschriebenen Gesundheitshypothek des Fleisches steht nun aber noch sein unabsehbar zerstörerischer Niederschlag in der Umweltbilanz, und es gibt ebenso ethisch-moralische Aspekte.
Die Umweltmeldungen vermitteln uns kein gutes Bild vom Zustand unserer Erde. Wir beginnen es zu erleben: Tornados schlagen selbst schon bei uns ihre Warnungen in die Flur und paradiesische Inselwelten beginnen zu versinken. Die aus der Klimaentwicklung drohenden Schatten lassen sich nicht mehr einfach wegreden. Der aktuelle strenge Winter könnte Leichtgläubige zu Zweifeln an der Klimaerwärmung verführen. Doch täuschen wir uns nicht, ein relativ harter Winter ist ein Wetter-Ausrutscher, aber er ist nicht Klima mit seinen langläufigen Folgen. Wenn das bei Ihnen in besagter Runde nun auch nicht das Thema des Abends war, so wird es Zeit, zu erkennen, daß Klimaentwicklung und Ernährungsverhalten der Menschheit nicht in verschiedenen Welten stattfinden. Nicht nur dies beides steht in enger Beziehung zu einander, sondern alles mit allem. Diese Weisheit bestand schon in der Antike (Aristoteles: Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile). Wir scheinen das bis heute noch nicht richtig begriffen zu haben. Jeder Vorgang in unserer Welt spielt da mit seiner Qualität und Abstimmtheit auf das System eine mustergültige, steuernde Rolle. So auch unsere Ernährung. Diese Tatsache muß endlich in alle Köpfe kommen, und besonders bei den Journalisten mit Multiplikatorenfunktion. Und sie (Sie) müssen damit in die breite Diskussion gehen und für Einsicht werben. Sie besitzen das Forum dafür. Deshalb auch diese meine umfassenden Ausführungen an Ihre Adresse. Sie sollten nach meinem Dafürhalten diese umweltrelevante Ernährungsrolle einmal aus einer unerwarteten Warte und mit rückhaltloser Offenheit dargestellt bekommen. Wenn Sie dies nun als unbequemen Einwurf betrachten und sich in Schweigen hüllen mögen, wie anderswo schon oft geschehen, so bleibt dennoch die Tatasche meiner ausgesandten mahnenden Worte an Sie in der Welt.
Der Lebensstil Fleisch-Ernährung der Menschheit übersteigt nach heutigen Erkenntnissen die Kapazität unseres Globus’ bei weitem, ist unverantwortlich verschwenderisch und belastend zugleich. Was den Flächenbedarf für Weidegründe und Futteranbau im Rahmen der Schlachtviehhaltung im Verhältnis zum daraus erzielbaren Nutzen für die Ernährung der Weltbevölkerung betrifft, macht dies die Rechnung einiger kluger Leute sofort klar: Die Nahrungsmittelproduktion über das Schlachttier bedeutet eine substanzielle Vernichtung von natürlichen Nahrungsressourcen im Verhältnis von 15-20:1. Welch eine Vergeudung! Würde die gesamte Menschheit am verschwenderischen Fleischtopf hängen, dann benötigten wir dafür – sage und schreibe – fünf Planeten. Mit diesem riesigen Flächenbedarf für die Fleischproduktion geht aber auch eine endlose Verschwendungsreihe einher. So steht beispielsweise hinter jedem einzelnen erzeugten Kilo Fleisch der geradezu gigantische Trinkwasserverbrauch von 16.000 Litern. Das sind schier unglaubliche 16 Tonnen Wasser pro Kilo. Dieses ungeheure Geschehen sollte man sich wirklich bewußt machen. Damit erweist sich die Ernährungsform über den Tierverzehr nicht nur als Nahrungsressourcen-Vernichtungsmaschine, sondern auch noch als Trinkwasservernichtungsstrategie. Und was die Umweltbelastung und ihre Vergiftung anbelangt, kommt alles zusammen einer Vergewaltigung unserer Erde gleich. Das lehren weitere harte Fakten, um die jeder, vor allem jeder Fleischesser, wissen sollte. Sie begründen schließlich diese harsche Kritik am Fleischverzehr: Rinder und Schafe sind Wiederkäuer und wahre Klimakiller, sie selbst permanente Methan-Ausscheider (Methan ist 25-30 mal klimawirksamer als CO2) und die Weiden Lachgas- und Ammoniakbrutstätten (Lachgas ist sogar 240-310 mal klimawirksamer als CO2). Dies alles fügt sich dem gigantischen Land-, Wasser- und Nahrungsreserven-Verbrauch durch Fleisch hinzu. Dem hilft auch kein noch so wohlmeinendes Biofarming/Biofleisch ab.
Und die Reihe der fleischindizierten Umweltschädigungen setzt sich in der Ungeheuerlichkeit fort, daß wir unsere eigenen Schlachttiere gar nicht mehr selber durchfüttern können. Dazu reichen unsere heimischen Ackerflächen längst nicht aus. Dafür müssen in Übersee Urwälder weichen, wie übrigens für unseren Bio-Sprit auch. Da werden 35 Mio. Tonnen Futtermittel fern von uns erwirtschaftet und herbeitransportiert, und wieviel Ladungen Düngemittel vorher von hier nach dort? Alles bedeutet weiterer CO2-Ausstoß durch die weitgedehnten Seetransporte, dann Weiterverteilung per Bahn und schließlich Lkw, hüben wie drüben. Diese ellenlange umweltschädigende Dauertransportkette wird in den Diskussionen um die Fleischernährung gerne übergangen, die automatische CO2-Freisetzung durch die Urwaldvernichtung gleich gar nicht erkannt. (Die Erklärung dieses Zusammenhanges geht hier aus Platzgründen nicht).
Es folgen Tiertransporte zum Schlachthaus und dann die Fleischverteilungsfahrten mit Tiefkühl-Lkw zu den Verkaufseinrichtungen und zum Konsumenten. Alle diese Wege sind ebenso CO2-gepflastert. Letztendlich setzt sich dann die große Manipulationsserie im Haushaltsbereich fort. Das Fleisch wird hier tiefgekühlt oder nur zwischengekühlt, bei der Mahlzubereitung vielleicht sogar maschinell bearbeitet, erhitzt und dann manchmal auf der Warmhalteplatte serviert. Diese allgemein geübte Erhitzungspraxis im Lokal oder zu Hause allein einer einzigen Kochmahlzeit verursacht den CO2-Ausstoß einer Autofahrt von 20 Km. Ergo: Aus dem Fleischkonsum ergeben sich auf Dauer untragbare Lasten für unsere Erde.
Aber nicht nur sie leidet, Menschen in aller Welt auch. Diesen ungebremsten Konsum, von künftigen Steigerungen nicht zu sprechen, leisten sich die Fleischesser aufgrund des gänzlichen Verzichtes von einer Milliarde religiös motivierter Vegetarier in der Welt, dazu einer weiteren Milliarde hungernder Menschen und – noch schrecklicher - 50 Millionen Hungertoten pro Jahr, davon 25 Mio. Kinder! Neben der unsäglichen Ausplünderung unseres Planeten durch Fleisch steht da also auch noch diese schreckliche Leidensbilanz. Angesichts dieser Situation in der Welt durch Ernährung vom Tier dürfte der so leichtlippige Moralvorwurf des Dr. Frank an Frau Rondholz bei ihrer Präsentation der Rohkost doch wohl mehr als überflüssig erscheinen. Er offenbarte blankes Unwissen oder Negieren dieser Zusammenhänge. Diese entlarvenden Tatsachen müssen den auf so großem Fuß-’Abdruck’ lebenden Fleisch-’Genießern’ doch endlich ungeschönt und mit allem Nachdruck vorgeführt werden. Sollte ihnen das denn nicht unter die Haut gehen, sie zum Nachdenken bewegen können? – Es läßt sich mit Fug und Recht behaupten: Fleischernährung ist gleichermaßen gesundheits-, umwelt- und zukunftszerstörend und dazu in höchstem Grade unsozial. Diese Ernährungsform gehört mit ihrem über die Maßen verschwenderischen Stil nicht mehr in den fragilen Zustand unserer heutigen Umwelt. Und Fisch, das sei an dieser Stelle betont, ist hierbei nicht ausgenommen. Die zur Schonung der Meeresbestände gut gemeinten Outdoor-Fischzuchtanlagen verschmutzen die Meere, bringen Krankheiten und Mißbildungen ein und provozieren Kreuzungen mit entwichenen Beständen. Die Reinheit des Genpools draußen ist äußerst gefährdet.”
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