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Archive für 26.4.2010
Sittsam, bescheiden und rein
26.4.2010 von Brigitte Rondholz.
Ja, es könnte von mir die Rede sein …
…aber ich spreche von Viola odorata, dem duftenden Märzveilchen, welches mich immer im Frühling so erfreut:
.
Inspiriert wurde ich von
Tine Taufrisch, die wieder einiges Gutes an die Zuschauer von SWR3 brachte. Auf die Idee, das liebliche Veilchen in Essig einzulegen, käme ich allerdings nicht, aber der allerletzte Hinweis von ihr in der Sendung hatte was! ![]()
Ich persönlich habe allerdings eine etwas andere Beziehung zu diesem filigranen Juwel des Frühlings.
Bei uns ist es nicht so häufig zu sehen und so verschone ich es und betrachte es in seiner lieblichen Schönheit mehr als Wohltat für die Augen. Es gibt ja so vieles andere Schöne zum Essen.
Wer kennt sie nicht, die Verse aus unseren etwas angestaubten Poesiealben(siehe Titel!):
Dem kleinen Veilchen gleich,
das im Verborgenen blüht;
Sei immer fromm und gut,
auch wenn dich niemand sieht
Sei wie das Veilchen im Moose,
bescheiden, sittsam und rein
und nicht wie die stolze Rose,
die immer bewundert will sein.
Sei nicht wie das Veilchen im Moose:
sittsam, bescheiden und rein.
Du kannst ruhig wie die Rose
ein bisschen stachelig sein.
Ein Häuschen aus Rosen,
aus Veilchen die Tür.
Ein Herz voller Liebe,
das wünsch ich dir!
So bescheiden wie die Veilchen im Grase stehn,
so bescheiden sollst du durchs Leben gehn.
In der Antike war das Veilchen sogar eine heilige Blume. Es war dem Gott Pan geweiht und zu Ehren des Saturn wurden Veilchenkränze auf dem Kopf getragen.
Schon Hippokrates hat das Veilchen für allerlei Beschwerden eingesetzt, unter anderem gegen Sehstörungen, Kopfschmerzen und Melancholie.
Freud soll - wie könnte es anders sein - ein Sexsymbol im Veilchen gesehen haben *augenroll*
Nun ja, Napoleon trug in einem goldenen Amulett getrocknete Veilchen. Veilchen sollen die Lieblingsblumen seiner ersten Frau Josephine gewesen sein und ein Symbol für die Beziehung zu ihr. Vielleicht lag es am lieblichen Duft?
Shakespeare lässt Ophelia durch ihren Bruder vor der Liebe Hamlets so warnen:
Ein Veilchen in der Jugend der Natur,
Frühzeitig, nicht beständig - süß, nicht dauernd,
Nur Duft und Labsal eines Augenblicks;
Nichts weiter.
Innerhalb der Familie der Veilchengewächse (Violaceae) ist die Gattung Veilchen (Viola) mit rund 500 verschiedenen Arten die größte. Ob in den Tropen, in der gemäßigten Zone der Erde oder in Feuerland, Veilchen sind überall.
Da gibt es sogar eine Art, die ohne Schaden auf stark schwermetallhaltigen Böden wächst, das gelb blühende Galmeiveilchen (Viola calaminaria). Durch besondere Engiftungsmechanismen im Stoffwechsel transportiert das zarte Pflänzchen die aufgenommenen Schwermetalle wie zum Beispiel Blei in bestimmte Zellorganelle, wo sie deponiert werden und den Lebensvorgängen der Pflanze nicht mehr schaden können.
Ist das nicht großartig? Wenn das kleine Veilchen das kann, dann können wir das auch, gell?!
Und der Dichterfürst schrieb witzig über das Veilchen:
Das Veilchen
Ein Veilchen auf der Wiese stand
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzig’s Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin,
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn,
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.
“Ach!” denkt das Veilchen, “wär’ ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!”
Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm,
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut’ sich noch:
“Und sterb’ ich denn, so sterb’ ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch.”
Tja … so sind sie, die Mädels!
Aber das ist echte Hingabe!
Literatur:
“Delikatessen am Wegesrand” von Brigitte Klemme und Dirk Holtermann
ISBN: 3-925691-27-8
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